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RATA Bericht II: Thomas Stindl

Der Extremradfahrer schildert seine persönlichen Eindrücke: Wie man Kühe abdrängt und warum auf "TurboTom" nach Hagel und wilden Porschefahrern der Mann mit dem Hammer wartet.

Saisonhöhepunkt wird im August 2007 Paris - Brest - Paris sein: 1225 KM und 10000 Höhenmeter

Saisonhöhepunkt wird im August 2007 Paris - Brest - Paris sein: 1225 KM und 10000 Höhenmeter

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Leider bekomme ich eine Woche vor dem Start eine Ohrenentzündung, welche erst am Morgen vor dem Start abgeheilt ist. Beim RATA werde ich von Verena Stindl, Helmut Stindl und Harald-Rudolf Reinbacher betreut.
Nach der Rennfahrerpräsentation wird das Rennen am Freitag um 12:00 Uhr in Nauders (Tirol) gestartet. 32 Rennfahrer/innen, davon 2 Frauen starten Richtung Italien.

Schon nach wenigen Kilometern lösen sich 17 Radfahrer und beginnen mit dem ersten Alpenpass. 52 Kehren geht es auf das Stilfserjoch hinauf, auf 2757m Seehöhe. Ich versuche den ersten Berg etwas langsamer anzugehen und auf meinen Körper zu hören. Dadurch belege ich am Anfang den 17. Zwischenplatz. Bis zum Gipfel kann ich mich auf den 13. Rang vorarbeiten. Auch ein kurzer Hagelschauer (ca. 1 Minute) macht mir nichts aus. Auf der Abfahrt nach Bormio werde ich von einem italienischen Rennteilnehmer überholt. Leider bin ich kein sehr guter Abfahrer. Jedoch beim Anstieg zum Gavia Pass (2652m) hole ich ihn wieder ein und er kann mein Tempo nicht mitgehen. Bei diesem Radrennen gibt es so gut wie keine ebene Strecke. Es geht nur bergauf oder bergab.

Auch am Gavia Pass hagelt es kurz. Da aber kein richtiger Regen einsetzt lässt mich das ziemlich kalt. Nur sind leider die Straßen nass und auch ein wenig rutschig. Daher fahre ich sehr vorsichtig bergab. Meine Betreuer teilen mir mit, dass kurz vor mir Mike Kinberger liegt. Noch in der Abfahrt kann ich zu ihm aufschließen. Damit beginnt bereits nach ca. 5 ½ Stunden ein Duell, welches noch über 22 Stunden dauert und nur 6 Minuten werden uns im Ziel trennen.

Gemeinsam fahren wir über den Aprica Pass (1176m), welcher der leichteste im ganzen Rennen ist, bevor sich der steilste Berg vor uns aufstellt. Der Mortirolo (1846m) ist vom Giro her, als einer der steilsten Berge ein Begriff in der Rennradszene. Die Straße ist genau ein Auto breit und dadurch ist jedes Auto das uns überholt eine Gefahr für uns. Denn die Straße ist nass und durch die Nadeln auf der Straßenseite sehr rutschig. Auch ein Ausrasten gibt es auf dem Anstieg nicht, denn es gibt keine einzige fast flache Stelle, dafür aber immer wieder Steigungen mit bis zu 18 – 20%. Harry-Rudi läuft neben, bzw. hinter uns her und treibt uns so den Berg hinauf.
Von hinten kommt ein Auto und wir müssen ganz an den Straßenrand, damit das Auto vorbeikann. Sofort fahre ich wieder in die Straßenmitte. Kinberger bleibt jedoch noch am Straßenrand, da rutscht sein Hinterrad durch und bei ca. 20% Steigung genügt dieses kurze durchrutschen und schon liegt er quer auf der Straße. Ich kann mich noch mit Mühe an ihm vorbeiquetschen ohne stehen zu bleiben. Da sein Betreuerauto gerade nicht da ist, hilft Harry-Rudi ihm aufs Rad und schiebt ihn an. An dieser Stelle kann man mit Einsteiger (Rennradschuhen) nicht alleine losfahren.
Kinberger ist kurz vor mir am Gipfel und jagt den Berg hinunter. Wir haben nun Licht auf unsere Räder montiert, da nun die Nacht begonnen hat.
Am Ende der Abfahrt habe ich Kinberger wieder überholt und fahre nun als 12-platzierter das zweite Mal über den Aprica Pass (1176m). Nun geht es in die Schweiz auf den Bernina Pass (2330). Am Lago di Poschiavo entlang möchte ich die Natur genießen. Aber ein Platzregen verhindert dies. Nun heißt es Regengewand anziehen und dem Regen trotzen. Zum Glück ist nach 10 Minuten alles wieder vorbei. Aber der Bernina Pass ist 30 km lang und nach dem Mortirolo fehlt einem jede Kraft um diesem Berg zu bezwingen. Hier führe ich einen Kampf Mann gegen Berg und der Berg ist einfach der Stärkere. Meine Betreuer feuern mich lautstark mit unserem neuen Megaphon an. Einige Kehren unter mir fährt Kinberger und knapp hinter ihm kommt Bernhard Pollner. Nun ist aus dem Zweikampf ein Dreikampf geworden. Um 2 Uhr 40 bin ich endlich am Berg und werfe mich in der Eiseskälte Richtung St. Moritz bergab. Die Hälfte der Alpenpässe habe ich nun geschafft. Aber beim Anstieg Albula Pass (2330m) wird mir plötzlich leicht übel. Damit ist meine Kraft vollkommen auf dem Nullpunkt gesunken. Meine Betreuer geben alles um mich zu motivieren. Sie feuern mich ständig an, lassen mich keine einzige Minute aus den Augen und geben mir Top-Level Gels zur Energiegewinnung. Eine Herde Jungkühe stellt sich mir auf den letzten Metern vor dem Passübergang in den Weg. Harry-Rudi treibt sie auf die Seite, während Heli mich mit dem Auto von den Kühen abschirmt. Endlich bin ich oben. Aber die Abfahrt wird erst ein richtiges Problem. Kälte, Nebel und die Feuchtigkeit setzen mir zu. Auf dieser Abfahrt verliere ich ca. 20 Minuten, da ich mich nicht richtig abfahren traue. Dadurch überholt Pollner mich. Auch er hat aber Schwierigkeiten und als er austreten muss fahre ich wieder an ihm vorbei. Aber bis Davos kann er mich wieder überholen und ich kann seinem Tritt nicht folgen.

Fluela Pass (2399m) – erst vor ein paar Tagen ist hier die Tour de Swiss vorbeigefahren. Nun befinde ich mich auf derselben Strecke. Auch die ersten Sonnenstrahlen erwärmen wieder mein Gemüt. Mein Tritt ist wieder rund und stärker geworden. Leider habe ich dann auf der Abfahrt einen verbalen Ausrutscher. In meinem Eifer habe ich am Berg keine Nahrung zu mir genommen. Dadurch bekomme ich Hunger und muss leider in der Abfahrt stehen bleiben und maule, warum ich am Berg kein Essen bekommen habe. Später stellt sich heraus, dass das Essen hergerichtet war aber ich bin sofort weitergefahren. Es war mein Fehler. „Sorry, liebe Betreuer“.

Der Ofen Pass (2149m) kann mich nicht mehr bremsen. Leider untersagt die Schweizer Polizei, dass das Betreuer – Auto hinter mir herfährt. Nun bin ich so manchem rasenden Autofahrer ausgeliefert. Hier rasen einige Porschefahrer wie verrückt den Berg hinauf.
Die Betreuer fahren immer wieder vor und warten dann auf mich. Sie klatschen und rufen mir wilde Anfeuerungsrufe zu. Anscheinend komme ich Pollner wieder näher. Aber auch Kinberger bleibt nur knapp hinter mir.
Die Spannung steigt nicht nur bei uns drei Rennfahrern, sondern auch bei den drei Betreuungsteams.

In Sta. Maria geht es steil auf den Umbrailpass (2505m) hinauf. Pollner liegt nun bereits in Sichtweite. Meine Betreuer fordern mich zum Attackieren auf. Ich wage es nicht, aber immer wieder fordern sie meine Attacke. Nach 2 KM attackiere ich und wirklich, ich gehe bei Pollner vorbei und er kann nun mein Tempo nicht halten. Bei den engen Kehren kann ich beobachten, wie Pollner von seinen Betreuern nach oben gepeitscht wird und auch meine Betreuer lassen mich nicht langsamer werden. Mein Vorsprung wächst und wächst. Ich gebe alles, wirklich alles. Am Umprail Pass ist keiner meiner Verfolger zu sehen. Es geht weiter auf das Stilfserjoch (2757m). Nun bin ich leer und nur mühselig komme ich rauf. Aber der Blick zum Umprail Pass zurück zeigt uns, dass der erste Verfolger erst jetzt oben ankommt. 52 Kehren bergab und nur mehr den Reschenpass (1563m) rauf.

Nun kommt der Mann mit dem Hammer zu mir. Aus und fast Ende. Jetzt wird es hart, schwerfällig bewegen sich meine Beine im Kreis, langsam schleiche ich bergauf. Das Ziel vor Augen, kann ich den letzten Berg fast nicht hinauf fahren.
Irgendwann bin ich dann doch oben und es geht die letzten Kilometer Richtung Nauders ins Ziel. Ich werde von der Rennleitung ins Ziel begleitet und von vielen Menschen stürmisch in Empfang genommen.
Nach 27 Stunden 47 Minuten bin ich endlich im Ziel. Ich wurde gesamt 10. und konnte noch ein Preisgeld von € 200,00 gewinnen.
Nur 19 Fahrer von 32 konnten dieses Rennen erfolgreich beenden.
Danke, danke liebe Betreuer.

1. Fischer Rene (Ö) 22,45
2. Strasser Christoph (Ö) 22,59
3. Nagel Samuel (CH) 23,16
4. Zeller Valentin (Ö) 24,15
5. Ratschob Thomas (CH) 24,32
6. Hugues Rico (F) 25,15
7. Prehs Franz (Ö) 25,35
8. Haase Dave (USA) 25,56
Höfler Ilja (LIE) 25,56
10. Stindl Thomas (Ö) 27,47
11. Kinberger Mike (Ö) 27,53
12. Pollner Bernhard (Ö) 28,06

Artikel vom 28.06.2007

 

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